20. Juni 2019

Eyemouth – Edinburgh

Die versprochene Fortsetzung: Naja, erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt. Also, nach knapp 2 Stunden unter Maschine entschlossen wir uns – bei zunehmenden Winden – gegenan zu kreuzen. Für Laien; mit einem Segelboot kann man nicht direkt gegen den Wind segeln, sondern muss zick-zack-mässig gegen den Wind aufkreuzen (mit einem Winkel zum Wind von etwa 50° inkl. Abdrift). Ja, wir hatten nach Edinburgh eine rechte Etappe vor uns (direkt etwa 55 Seemeilen, schlussendlich fast 80), wenigstens unterstützte der Gezeitenstrom anfangs unsere Fahrt. Nun zurück zu unserer Abfahrt in Eyemouth, wo uns ein seltsamer Geruch in die Nase stieg. Ich schob diesen einer nahe gelegenen Werft zu, was wohl mein Fehler war. Darauf auf See wollte uns dieser Geruch einfach nicht verlassen, auch beim anschliessenden Segeln nicht. Ich in meinem hoffnungslosen Optimismus dachte, trotz Adrians Bedenken, an nichts Schlimmeres. Also segelten wir Richtung Edinburgh, mit den notwendigen Wendemanövern, und um bei bis zu 6 Beaufort zunehmenden und wieder abnehmenden Winden, Reffs einzubinden (Segelfläche reduzieren) und wieder auszuschütten, und wieder reffen und wieder auszuschütten, etc. Dabei war die neue elektrische Winsch sehr hilfreich, obwohl wir beiden Kerle doch über genügend Muskelkraft verfügen.

2 Reffs im Grosssegel
Adrian unermüdlich am Steuern und am Ausguck

Bis um 21:00 Uhr kreuzten wir im Firth of Forth Richtung Hafen Port Edgar. Mit dem Gezeitenstrom und dem starken Wind gegenan kamen wir kaum voran, also Maschine starten, aber mehrere Versuche blieben erfolglos. Unter diesen Verhältnissen war ein Segeln unter den imposanten Brücken von Edinburgh zu riskant, ebenso das Einlaufen in einen Hafen. Also blieb uns nichts anderes übrig als die Coastgard anzurufen und um Schlepphilfe zu bitten. Ich war echt froh, dass Adrian den weiteren Ablauf, mit seinen besseren Englischkenntnissen über Bordfunk managen konnte. Auch in dieser Situation behielten wir Ruhe und gingen in dem nicht gerade anspruchslosen Revier bedacht vor. Danke Adrian :-)) Nach etwa einer Viertelstunde kam ein Boot der Coastcard angerast und deren Crew fragte uns besorgt nach unserem Befinden. Wir entgegneten, dass es uns im Gegensatz zu unserer Maschine ganz gut geht, worauf später ein weiteres Lifeboat kam, um uns in den Hafen Port Edgar zu schleppen.

Unser Schlepper vor dem Bug

Um 22:45 wurden wir dann an einen Stegplatz im Hafen von Port Edgar „bugsiert“. Trotz Müdigkeit und einiger Aufregung bereitete Adrian uns dann noch feine Spaghetti zu, die wir mit einem feinen Glas Rotwein genossen. Mit einigen Sorgen und Ängsten, was mit der Maschine los ist, schlief ich dennoch total müde und schnell ein. Am folgenden Morgen meldeten wir uns beim Hafenbüro an und erkundeten uns nach einem Mechaniker. SCHOCK: Sie seien die nächsten drei Wochen ausgebucht! Wahrscheinlich haben unsere überaus frustrierten Gesichter ein Wohlwollen erweckt und schon kurz darauf kamen zwei Mechaniker an Bord.

Ein weiteres Plus der Southerly-Yacht: Die Zugänglichkeit der Maschine

Befund: Der Anlasser löste sich nicht nach dem Anlassen vom Ritzel und drehte dauernd mit der Maschine mit, was schlussendlich zu einem Kabelbrand führte, der glücklicherweise nur auf gewisse Kabel beschränkt blieb. Nicht auszudenken, wenn es im Maschinenraum plötzlich gebrannt hätte ….. Die notwendigen Ersatzteile haben sie darauf umgehend bestellt und sie sollen Montag/Dienstag eintreffen, worauf sie sofort eingebaut werden sollen. Der Törnplan geht auf, Dank dem dass wir ihm voraus sind und im richtigen Hafen mit hilfsbereiten Leuten sind. Freude herrscht, wenn dann keine weitere Überraschung kommen sollen (aber eben, mein hoffnungsloser Optimismus ;-)). Erleichtert fuhren Adrian und ich nach dem doch recht positiven Bescheid der Mechaniker mit dem Bus am Nachmittag nach Edinburgh. Diese absolut sehenswerte Stadt ist nun wirklich einen (mehrtägigen) Besuch wert. Bezüglich Sauberkeit könnten sich einige Schweizerstädte eine Scheibe abschneiden. Erschreckend war ein Spiegelbild von uns zwei; Adrian hat einfach zu gut gekocht….. :

Leicht an Gewicht zugenommen….

Nach einem Stadtrundgang zum Castle und einer informativen Stadtrundfahrt gingen Adrian und ich dann mexikanisch essen. Adrian buchte ein Hotel nahe beim Bahnhof, weil sein Zug frühmorgens nach Hause abfährt. Mit einer herzlichen Umarmung verabschiedeten wir uns mit dem Vorhaben nicht zuletzt zusammen gesegelt zu haben. Überhaupt muss ich Adrian ein grosses Kompliment aussprechen, nicht nur dass er mich fast drei Wochen ertragen hat ;-), sondern auch dass er all die vergangenen aufregenden Momente und das teilweise recht harte Segeln mit Genuss und ohne etwelche Ängste mitgemacht hat. Danke Adrian :-)) Und nicht zuletzt muss ich einmal mehr die englische Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit erwähnen, die mich immer wieder durchaus positiv beeindruckt. Zeit für die Koje….

18./19. Juni 2019

River Tyne – Holy Island – Eyemouth

Seit 07:45 fahren wir mit Dieselwind Richtung Edinburgh, Wind und Wellen genau auf die Nase. Doch zunächst einmal 2 Tage zurück. Wie verlief das Trockenfallen auf Holy Island?

Hoch und (fast) trocken

Für Adrian war es nach seiner langen Segelkarriere das erste Mal, dass er trockenfallen konnte. Ich meine natürlich mit einem Segelboot. Obwohl ich das auf verschiedenen Segeltörns immer wieder erleben durfte, ist es jedes Mal eine etwas spannende Sache. Wie sieht der Untergrund unter dem Wasser aus, kommen wir mit dem nächsten Hochwasser (für Nichtnautiker Flut) wieder frei, stimmen die Gezeitenberechnungen, etc.? Die Berechnungen stimmten und wir hatten um 04:00 Uhr wieder Wasser unter dem Boot und konnten bei einem schönen Sonnenaufgang unseren Ankerplatz verlassen. Am Abend zuvor gelangten wir „trockenen Fusses“ zur Insel und unternahmen einen ausgedehnten Fussmarsch zum Ort auf der Südseite dieses Eilandes, welche übrigens nur bei Niedrigwasser (Ebbe) mit Fahrzeugen über einen Damm erreichbar ist.

Ohne (zusätzliche) Worte…..

Die Insel mit ihren Dünen, Kaninchen und Orchideen ist ein Besuch wert. Wie vielerorts kamen wir auch dort an einer Kirchenruine vorbei.

Dann am 19. Juni gelangten wir um 07:30 in den betriebssamen Fischeihafen von Eyemouth. Unser erster Hafen in Schottland. Davon später, ich beende das Schreiben, bei einem Amwindkurs @ über 20 Knotenwind und bis 30° Lage ziemlich unbequem und zu riskant für meinen Laptop, und das Segeln macht Spass. Fortsetzung folgt später 😉

18. Juni 2018

River Tyne- Holy Island

Um 08:00 haben wir den Yachthafen von River Tyne durch die Schleuse verlassen.

Dieser Ort hatte weniger Cachet als die beiden letzten wunderbaren Orte, dennoch war er schön und sehr gepflegt. Auch die Einfamilienhausquartiere überraschten mit einem überdurchschnittlichen Standard der Häuser und mit sehr gepflegten Gärten. Adrian (ich auch 😉 ist immer wieder über die sauberen und komfortablen sanitären Anlagen in den Häfen erfreut. Ausserordentlich erfreulich ist auch immer wieder die offene und herzliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute. Sei dies in den Häfen, in den Shops, oder auch sonst wo. So fragten wir gestern in einem Laden die Kassiererin, ob sie denn kein Fleisch im Angebot führen, worauf sie die Kasse und den Laden verliess, um uns auf der Strasse den Weg zur „Konkurrenz“ zu zeigen und alsdann wieder mit uns zur Kasse zurück ging, damit wir unseren Einkauf beenden und bezahlen konnten. Am Abend kam der Chef der Marina an der Mea Requies vorbei, um zu fragen, ob er unsere Schweizerflagge fotografieren dürfe. Innerhalb 20 Jahren seien wir erst das zweite CH-Schiff in seinem Hafen. Nun segeln wir mit tw. über 7 Knoten zur „HOLY ISLAND“, wir hoffen dort am Abend trockenfallen zu können. W’ll see. Noch haben wir 27 sm von insgesamt 45 sm vor uns.

Adieu River Tyner

Was uns immer wieder auffällt, dass die Seekarten, der Reeds Almanac und alle elektronischen Seekarten (alle von 2019) nicht immer den aktuellen Gegebenheiten angepasst sind, so wären wir in zwei Häfen schon trockengefallen…..

Noch was: Jede Followeranmeldung von euch auf dieser Seite nehmen wir mit Freude entgegen ;-))

17. Juni 2019

Whitby – River Tyne

Gestern verbrachten wir die Nacht in Whitby. Auch dieser Ort eine wahrliche Perle.

Eigentlich wollten wir heute Hartlepool anlaufen, welches nur 7 sm entfernt ist, aber unter diesen schönen Segelbedingungen beschlossen wir weiter nach River Tyne zu segeln, der noch 27 sm entfernt ist. Mal sehen was uns dieser Ort zu bieten hat.

15. Juni 2019

Grimsby – Scarborough

Nach 60,6 sm sind wir nachmittags im Hafen von Scarborough eingetroffen. Sehr touristisch, aber ebenso hübsch. Eine richtige Wohltat nach Grimsby 😁

Ich verzichte darauf ein Bild von Grimsby einzufügen. Was jedoch sehr erfreulich – auch dort – auffiel ist, dass die Leute überall extrem freundlich und hilfsbereit sind. Eine richtige Wohltat im Vergleich zu anderen Revieren. Wir genießen es 😁

13./14. Juni 2019

Southwold – Grimsby

Tja, mit Wells war nichts :-(( furchterregende Brandungswellen vor dem Eingang nach Wells und Seekarten die mit dem Kanalzugang nicht überein stimmten, zwangen uns am 12. Juni um 19:30 schweren Herzens abzudrehen. Irgendwo bei unruhigem Seegang zu ankern und ohne ein Auge richtig zu zutun, um die Nacht zu überstehen verwarfen wir, worauf wir uns entschlossen weiter nach Grimsby zu fahren. Wind war leider keiner um zu segeln, aber der Tidenstrom unterstützte unsere Motorfahrt sehr. Die Einfahrt nach Grimsby bei dunkler Nacht und Regenschauer stellten dann doch eine „kleine“ Herausforderung dar. Radar, AIS und ständiger Ausguck mit Suchscheinwerfer halfen uns durch die Nacht bei überaus regem Schiffsverkehr grosser und kleiner Schiffe. Nach 19 Stunden und 120 Seemeilen erreichten wir dann endlich um 03:00 Uhr den Hafen von Grimsby. Nach einem verdienten Schlummer-Bier sanken wir darauf völlig erschöpft in unsere Kojen. Erst gegen Mittag genossen wir dann eine erfrischende Dusche und begaben uns nach einem reichlichen Frühstück in die Stadt, was sich als eine durchaus ernüchternde Bekundungstour erwies. Eine ziemlich triste Stadt mit zuweilen komischen Gestalten. Aber wir entdeckten alsdann ein ganz feines Restaurant. Die Welt war wieder in Ordnung. Heute genossen wir einen ruhigen Tag mit Waschen, etc. und Adrian bereitete ein superfeines Nachtessen mit Rindsvoressen an Peffersauce und mit Kartoffelgratin und Salat zu. Überhaupt haben wir 2 es ganz toll zusammen und haben die vergangenen „Strapazen“ stets mit einer gesunden Portion an Humor ausgetragen.

12. Juni 2019

Southwold – Wells (wollten wir…)

Heute sind wir seit 7:50 mit Dieselwind unterwegs, aber der Gezeitenstrom schiebt uns (noch) fleißig Richtung Wells. Noch sind es etwa 35 sm. Die See ist ziemlich ruhig, hat ja auch fast keinen Wind, ca. 2 – 5 kn….

Adrian sorgt für das leibliche Wohl 😃👍👏🙏

Fortsetzung siehe 13./14. Juni 2019

11. Juni 2019

Shotley Marina – Southwold

Heute durften wir einen schönen Segeltag geniessen, teilweise auch unter Gennaker.

Nach einer spannenden Flussfahrt auf dem River Blyth legten wir um 19:10 am Bootssteg von Southwold an. An solchen Anlegeplätzen ist immer wieder darauf zu achten, dass die Festmacherleinen weit vom Schiff festgemacht werden. Anderenfalls hängt das Schiff bei Niedrigwasser an den Leinen, wenn dann alles hält…

Nur wenige Schritte vom Schiff entfernt genossen wir darauf im gemütlichen „Harbour Inn“ ein ganz gutes Nachtessen.

9. – 10. Juni 2019

Eastbourne – Ramsgate – Shotley Marina (Ipswich)

(Nachgetragen am 24. 10. 2019, da diese Seiten „verloren gingen“)

Heute war ein spannender Tag angesagt; durch die vielbefahrene Meerenge von Dover. Bereits um 07:45 legten wir am Steg ab und fuhren in die Schleuse von Eastbourne ein.

Nach deren Ausfahrt setzten wir sehr bald das Grosssegel und den Gennaker. Doch mit Segeln wurde leider nichts, der Wind wurde immer schwächer und schlief schlussendlich ganz ein. Also liessen wir den Dieselwind blasen. Die Fahrt entlang der Kreidefelsenküste war dennoch kurzweilig und es blieb den ganzen Tag trocken.

Dann um 16:00 passierten wir den Fährhafen von Dover.

Allerdings wäre diese Passage unter Segeln noch spannender gewesen. Des Segler Los…Nach der obligaten Anmeldung über Funk konnten wir dann gegen Abend in den Hafen von Ramsgate einfahren und neben einer anderen Southerly 110 anlegen. Leider war niemand an Bord um zu klönschnacken.

Tags darauf, am 10. Juni meinten es die Windgötter gut mit uns, was aber nur für die Stärke und nicht für die Richtung galt. So erlebten wir einen harten, aber kurzweiligen Segeltag, nachdem wir um 09:00 den Hafen von Ramsgate verliessen.

Auch auf dieser Strecke mussten wir immer wieder Windmühlenparks umfahren, die zum Teil nicht in den neu gekauften Seekarten eingetragen waren, was auch für die elektronischen Seekarten galt. Aber es war eine spannende Fahrt, hatten wir doch die Bucht eingangs der Themse zu queren. Wind und Gezeitenströme waren jedoch gegen uns und dann noch immer wieder Riesenwindparks die wir bei bis zu 30 Knoten Amwindkurs zu umfahren hatten. Das Clinometer stand öfters bei 40° an…. Wenigstens unterbrach Petrus zuweilen die Regengüsse.

Von dort nach Shotley Marina benötigten wir rund 15 Stunden für insgesamt 77 Seemeilen. Genau um Mitternacht passierten wir die Schleuse in den Hafen von Shotley, die in der Dunkelheit nicht so einfach zu finden war. Adrian bereitete darauf noch eine feine Rösti zu. Auf jeden Fall waren wir stolz auf uns, klopften uns auf die Schultern und gönnten uns noch einen feinen Whisky vor unserem wohlverdienten Schlaf. Morgen dann soll es nach Wells gehen. Mal schauen, wie es die Wind- und Meeresgötter mit uns meinen.